Sonntag, 8. November, 18 Uhr
Genezarethkirche Berlin Neukölln, Herfurthplatz 8
Naturaufnahmen (Vögel, Wasser, Bienenstock, Äste…) im Dialog mit
Musik (Johannes Ockeghem: Missa Quinti toni)
gespielt auf Renaissance-Gamben (Ensemble Voix et Violes)
Eintritt: 25 Euro
Natur und Kunst scheinen verschiedene Welten zu bilden, doch sind sie sich nah.Vögel auf Helgoland fliegen in eine Kathedralen-Höhle und führen eine Sinfonieauf, Stimmen des Werbens, aber auch der Gefahr, von Raubvögeln gerade beim Lieben getötet zu werden. Perfekt erfassen sie ihren Raum, ihre Stimmen lassen uns ihre Flugbahnen hören. Es ist eine äußere, faszinierende Welt, die Welt von Wind und Wasser, Werben mit dem besten Gesang, der fantastischsten Flugbahnen und dem schönste Gefieder, Fressen und Gefressen werden. Es ist die für uns sichtbare Welt. Aber es gibt auch die für uns unsichtbare, unhörbare Welt der Insekten und der im Wasser lebenden Wesen. Sie ist reich, komplex und ja, schön!
Johannes Ockeghem wurde für seine Zeit uralt, wohl 80 Jahre. Seine Zeit, das 15. Jahrhundert, ließ eine alte Welt einstürzen, Krieg, Chaos, die Pest. Keine Gewissheiten mehr, wenn es drei Päpste gleichzeitig gibt. Die hierarchische Welt von durchrhythmisierten Stimmen wie die Etagen der gotischen Kathedralen, die Welt von unten nach oben – auch sie bricht zusammen. Die Maler entdecken die Perspektive, Menschen bewegen sich frei in natürlichen Räumen. Da entdeckt ein Komponist das freie Fliegen, wie die Vögel auf Helgoland. Auch seine Stimmen verbergen verwegene Mathematik, die man nicht hört, aber spürt. Er komponiert Musik für die Heilige Messe, eingebettet in die Liturgie, sie verstärkend und vertiefend, ihr Geheimnis hörbar machend. Er hat so viele berühmte Komponisten der Zeit beeinflusst, aber keiner flog wie er. Er ergründete auch die Gesetze, nach denen die Musik seiner Zeit funktionierte. Und ließ im Erproben der Grenzen den engen Raum der Kirchen hinter sich und flog in andere Sphären.
Die Aufführung Natur-Stimmen-Musik verbindet Naturaufnahmen mit einer späten, dreistimmigen Messe von Johannes Ockeghem. Diese wird mit drei besonderen Gamben nach Modellen der Bilder des 15. Jahrhunderts gespielt. Sie stammen alle aus einem Holz, aus der Natur. Kein Meßtext mehr, nur die obertonreichen Stimmen der Gamben, Was damals die Liturgie war, wird in dieser Aufführung durch die Naturaufnahmen “ersetzt” – sie lassen den konkreten historischen Glauben hinter sich und lassen uns genauer, neu hinhören. Die Naturaufnahmen werden bei Dunkelheit gespielt. Das Ziel ist die Erfahrung einer besonderen Verbundenheit zwischen den Sphären, das Erkunden unserer Seele in Natur und Kunst.
