RENAISSANCE CDs

Compère: Missa Galeazescha

Odhecaton
outhere music A 436

Der Motettenzyklus von Loyset Compère steht jeweils als “Ersatz” bzw. musikalische Begleitung während des rezitierten Messordinatoriums – eine sehr eindrucksvolle Einspielung dieses wenig bekannten Repertoires am Hofe der Forzas in Mailand. Aus anderen Zyklen sind die sehr guten Motetten von van Weerbeke besonders erwähnenswert.

Johannes Tinctoris

Geistliche und weltliche Werke
Le Miroir de Musique
Ricercar 380

Johannes Tinctoris ist heute vor allem als Theoretiker bekannt. Vielfach kritisierte er seine berühmten Zeitgenossen für Notations-Ungenauigkeiten. Aber er selbst schuf eine Anzahl Messen und Chansons, die sich hören lassen können. Le Miroir de Musique unter Baptiste Romain erweckt die expressive Seite dieser Musik zum Leben und legt damit ein Plädoyer für diese Musik ab. Manchmal wünschte man sich noch größere Textverständlichkeit. Die instrumentalen Fantasien und Zwischenspiele sind dagegen sehr beredt und weisen den richtigen improvisatorischen Charakter auf.

Quattrocento

Tänze aus neapoiitanischen Quellen im 15. Jh.
Capella de Ministreers
CdM 1742

Diese Neueinspielung bietet ein sehr schönen Überblick über alle geläufigen Tanztypen im Königreich Neapel des 15 Jh. Die Hauptquellen sind Montecassino 871 und Paris 972. Die Capella de Ministrers spielt raffiniert und vielfarbig – man mag kaum sitzen bleiben!
Beispiele

Codex Specialnik

Capella Mariana
Etcetera KTC 1571

Das ausgezeichnete Ensemble Cappella Mariana bringt Weltersteinspielungen aus diesem Codex aus Prag. Besonders interesssant ist das Repertoire, z. t. homophone Hymnen und Motetten in einem eigenen Stil.

Ockeghem, Missae L’homme armé und Quinti toni

Beauty Farm
Fra Bernardo 701743

Beauty Farm legt hier eine weitere Einspielung mit Messen von Ockeghem vor. Der Stil hat sich erneut entwickelt. Das Ergebnis ist ambivalent: einerseits große Expressivität, weite Linien, andererseits sehr dichtes und wie an einem Seil zäh gezogenes Singen, etwas zäh. Die feine Eleganz und das Tänzerische der Musik gehen verloren, auch die jazzigen Rhythmen. Sehr gut sind die einzelnen Motive und rhetorischen Elemente erkannt.

Petrus de Grudencz

La Morra
Glossa 922515

Das ausgezeichnete Ensemble La Morra präsentiert ein selten eingespieltes Repertoire: Polnische Motetten des frühen 15. Jahrhunderts. Die Werke von Grudencz zeigen ihn als etwas rückwärts gewandten Komponisten, der sich noch im Bann der Ars Nova befindet. Dazu kommen noch einige anonyme Werke in ähnlichem Stil.

Chansons aus dem Chansonnier Cordiforme

Ensemble Leones
Naxos 8573325

Unser Partner, das Ensemble Leones, hat einige der Chansons aus dem prächtigsten Chansonnier des 15. Jahrhunderts eingespielt. Es ist ein Chansonnier in Herzform das fast durchgängig mit Miniaturen versehen ist. Die Chansons werden in verschiedenster Besetzung gesungen und gespielt, besonders schön die Gamben von Richard Earle, die ja derzeit auch für unsere Stiftung gebaut werden. Sehr lobenswert auch die instrumentalen Strophen, die mit Verzierungen versehen werden, wie es unbeindgt gemacht werden muss. Der Gesang ist lebhaft, rhetorisch, könnte noch sprachbetonter sein. Auch die Tempi sind endlich nicht nur langsam melancholisch.
Leider sind einmal mehr keine Text im Booklet wiedergegeben, man muss sie auf der Homepage von Naxos aufsuchen, was sicherlich nur selten gemacht wird…

de la Rue: Missae Nuncqua fue pena mayor und Inviolata

Brabant Ensemble
hyperion cda68150

de la Rue ist derzeit offenbar sehr in Mode, ganz zu Recht, auch wenn man sich gerne auch einmal wieder Dufay Messen wünschte…Die Interpretation ist etwas schematisch und ohne Raffinement, englischer Stil, aber die Werke sind besonders im Vergleich zwischen der frühen Nuncque fua und der späten Inviolata interessant.

De la Rue: Missa cum jocunditate

Capella Pratensis, Stratton Bull
Challegne Classics CC72710

Diese sehr schöne Messe wurde schon vielfach eingespielt, die vorliegende Aufnahme ist aber in vielfacher Hinsicht beispielgebend. So wird hier von der originalen Quelle gemeinsam aus Kopien des Chorbuchs gesungen, was man sofort spürt. Dann ist die Textierung und Diktion vorbildlich, was man selten so hört. Und schließlich wird sehr ausdrucksvoll gesungen und nicht nur auf homogenen Schönklang. Bemerkenswert sind auch die Orgelimprovisationen, die stilistisch allerdings eher etwas später anzusiedeln sind als de la Rue. Sehr empfehlenswert!

Isaac

Missa Virgo Prudentissima
Ensemble Gilles Binchois, Vellard
Harmonia Mundi EVCD023

Sehr schöne Messe in einer sehr ausgewogenen und “klassischen” Interpretation.

Arnold und Hugo de Lantins

Weltliche Werke
Le Miroir de la Musique
Ricercare 365

Vermutlich waren Arnold und Hugo Brüder, beider sind nur in norditalienischen Quellen vertreten und wirkten um 1430. Sie sind Vertreter des reinsten französisch-flämischen Stils, elegante Melodik, manchmal auch an Dufays interessante Harmonik erinnernd. Le Miroir de la Musique singt sehr klangschön, ich hätte mir wie immer mehr Sprachorientierung gewünscht. Erstaunlicher Weise klingen die rein instrumental aufgeführten Chansons genau so, wie ich mir den Gesang vorstelle, manieristischer, mehr zwischen Hauptnoten und Ornament unterscheidend. Insgesamt aber eine sehr lohnende Cd.
Trailer

Gombert Motetten

Beauty Farm
Gombert Motetten
Beauty Farm
Fra Bernardo 1504211

Beauty Farm ist ein neues Ensemble dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Die Mitglieder gingen aus Capilla Flamenca und Huelgas etc. hervor. Sehr plastischer, vielfarbiger Gesang dieser großartigen Motetten.
Leider ist das Label Fra Bernardo nicht ideal für dieses Ensemble. Die Texte sind nur auf Latein wiedergegeben, dazu noch in kaum lesbarer weißer Schrift auf lila Grund. Bei Nachfrage beim Label erwiesen sich die Verantwortlichen als borniert genug, diese Praxis normal zu finden. Auf diese Weise wird dem Hörer ein Verständnis unmöglich gemacht und die Aufnahme leider entwertet. Leider ist dies ein immer weiter verbreiteter Unsinn.

Ockeghem Missa l’Homme Armé

Ensemble Nusmido
Rondeau ROP 6106

Dieses neue Ensemble singt von originaler Notation und das hört man sofort! Ein sehr schöner, aber doch individuell in den Stimmen verfolgbarer Ensembleklang, auch gute Aufnahmetechnik. Ganz besonders berückend die hohen Counterstimmen, allerdings doch manchmal etwas sehr ätherisch und streckenweise zu langsam, was einen etwas elegischen Charakter erzeugt. Trotzdem sehr empfehlenswert.

Antoine Févin Messen

The Brabant Ensemble, Steven Rice
Hyperion, cda 68265

Antoine Févin war ein bedeutender Sänger und Komponist am Hof von Ludwig XII. von Frankreich. Bisher war vor allem sein sehr schönes Requiem eingespielt und bekannt.
Die vorliegende Einspielung der Messe Ave Maria basiert auf der berühmten Motette Josquins. Févin erweist sich hier als Pinier der sog. Parodiemesse, bei der nicht nur eine Stimme, sondern ganze polyphone Komplexe eingearbeitet werden.
Wie schon in anderen Einspielungen singt das Brabant Ensemble ganz im englischen Stil, gut durchhörbar aber auch etwas schematisch.
Traditionell ist dagegen die Messe Salve sancta parens auf einem gregorianischen Gesang basierend als Tenormesse. Eine sehr lohnende Entdeckung!