Bild: Musizierende Engel, Ausschnitt aus dem Genter Altar von Jan Van Eyck
     RENAISSANCEMUSIK - CDs english version  




Codex Specialnik
Capella Mariana
Etcetera KTC 1571 


Das ausgezeichnete Ensemble Cappella Mariana bringt Weltersteinspielungen aus diesem Codex aus Prag. Besonders interesssant ist das Repertoire, z. t. homophone Hymnen und Motetten in einem eigenen Stil. 

Ockeghem, Missae L'homme armé und Quinti toni
Beauty Farm
Fra Bernardo 701743


Beauty Farm legt hier eine weitere Einspielung mit Messen von Ockeghem vor. Der Stil hat sich erneut entwickelt. Das Ergebnis ist ambivalent: einerseits große Expressivität, weite Linien, andererseits sehr dichtes und wie an einem Seil zäh gezogenes Singen, etwas zäh. Die feine Eleganz und das Tänzerische der Musik gehen verloren, auch die jazzigen Rhythmen. Sehr gut sind die einzelnen Motive und rhetorischen Elemente erkannt. 

Petrus de Grudencz
La Morra
Glossa 922515


Das ausgezeichnete Ensemble La Morra präsentiert ein selten eingespieltes Repertoire: Polnische Motetten des frühen 15. Jahrhunderts. Die Werke von Grudencz zeigen ihn als etwas rückwärts gewandten Komponisten, der sich noch im Bann der Ars Nova befindet. Dazu kommen noch einige anonyme Werke in ähnlichem Stil. 

Chansons aus dem Chansonnier Cordiforme
Ensemble Leones
Naxos 8573325


Unser Partner, das Ensemble Leones, hat einige der Chansons aus dem prächtigsten Chansonnier des 15. Jahrhunderts eingespielt. Es ist ein Chansonnier in Herzform das fast durchgängig mit Miniaturen versehen ist. Die Chansons werden in verschiedenster Besetzung gesungen und gespielt, besonders schön die Gamben von Richard Earle, die ja derzeit auch für unsere Stiftung gebaut werden. Sehr lobenswert auch die instrumentalen Strophen, die mit Verzierungen versehen werden, wie es unbeindgt gemacht werden muss. Der Gesang ist lebhaft, rhetorisch, könnte noch sprachbetonter sein. Auch die Tempi sind endlich nicht nur langsam melancholisch.
Leider sind einmal mehr keine Text im Booklet wiedergegeben, man muss sie auf der Homepage von Naxos aufsuchen, was sicherlich nur selten gemacht wird...


 


 

de la Rue: Missae Nuncqua fue pena mayor und Inviolata
Brabant Ensemble
hyperion cda68150


de la Rue ist derzeit offenbar sehr in Mode, ganz zu Recht, auch wenn man sich gerne auch einmal wieder Dufay Messen wünschte...Die Interpretation ist etwas schematisch und ohne Raffinement, englischer Stil, aber die Werke sind besonders im Vergleich zwischen der frühen Nuncque fua und der späten Inviolata interessant. 

De la Rue: Missa cum jocunditate
Capella Pratensis, Stratton Bull
Challegne Classics CC72710


Diese sehr schöne Messe wurde schon vielfach eingespielt, die vorliegende Aufnahme ist aber in vielfacher Hinsicht beispielgebend. So wird hier von der originalen Quelle gemeinsam aus Kopien des Chorbuchs gesungen, was man sofort spürt. Dann ist die Textierung und Diktion vorbildlich, was man selten so hört. Und schließlich wird sehr ausdrucksvoll gesungen und nicht nur auf homogenen Schönklang. Bemerkenswert sind auch die Orgelimprovisationen, die stilistisch allerdings eher etwas später anzusiedeln sind als de la Rue. Sehr empfehlenswert! 

Isaac
Missa Virgo Prudentissima
Ensemble Gilles Binchois, Vellard
Harmonia Mundi EVCD023


Sehr schöne Messe in einer sehr ausgewogenen und "klassischen" Interpretation.

Arnold und Hugo de Lantins
Weltliche Werke
Le Miroir de la Musique
Ricercare 365


Vermutlich waren Arnold und Hugo Brüder, beider sind nur in norditalienischen Quellen vertreten und wirkten um 1430. Sie sind Vertreter des reinsten französisch-flämischen Stils, elegante Melodik, manchmal auch an Dufays interessante Harmonik erinnernd. Le Miroir de la Musique singt sehr klangschön, ich hätte mir wie immer mehr Sprachorientierung gewünscht. Erstaunlicher Weise klingen die rein instrumental aufgeführten Chansons genau so, wie ich mir den Gesang vorstelle, manieristischer, mehr zwischen Hauptnoten und Ornament unterscheidend. Insgesamt aber eine sehr lohnende Cd.


Trailer

Gombert Motetten
Beauty Farm
Fra Bernardo 1504211


Beauty Farm ist ein neues Ensemble dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Die Mitglieder gingen aus Capilla Flamenca und Huelgas etc. hervor. Sehr plastischer, vielfarbiger Gesang dieser großartigen Motetten.
Leider ist das Label Fra Bernardo nicht ideal für dieses Ensemble. Die Texte sind nur auf Latein wiedergegeben, dazu noch in kaum lesbarer weißer Schrift auf lila Grund. Bei Nachfrage beim Label erwiesen sich die Verantwortlichen als borniert genug, diese Praxis normal zu finden. Auf diese Weise wird dem Hörer ein Verständnis unmöglich gemacht und die Aufnahme leider entwertet. Leider ist dies ein immer weiter verbreiteter Unsinn.   

Ockeghem Missa l'Homme Armé
Ensemble Nusmido
Rondeau ROP 6106


Dieses neue Ensemble singt von originaler Notation und das hört man sofort! Ein sehr schöner, aber doch individuell in den Stimmen verfolgbarer Ensembleklang, auch gute Aufnahmetechnik. Ganz besonders berückend die hohen Counterstimmen, allerdings doch manchmal etwas sehr ätherisch und streckenweise zu langsam, was einen etwas elegischen Charakter erzeugt. Trotzdem sehr empfehlenswert.  

Lieder von Heinrich Laufenberg 
Ensemble Dragma
Ramée 1402 


Heinrich Laufenberg (ca. 1390-1460) ist vor allem als Dichter bekannt, nur einige Melodien sind in zweifelhafter Form überliefert. Das Ensemble Dragma hat eine mustergültige Rekonstruktion hergestellt, ergänzt um instrumentale Stücke der nur bruchstückhaft überlieferten frühesten Lautentabulatur aus Wolfenbüttel. Die Interpretation ist vielfarbig, sehr präsent, hervorragend gesungen. Die instrumentalen Stücke haben einen schönen jazzigen Drive. Besonders gelungen ist auch die Aufnahmetechnik.


Soundfiles

Argentum et aurum - Musik aus der habsburgischen Frührenaissance
Ensemble Leones
Naxos 8573346


Diese Cd ist die musikalische Illustration zu einem wissenschaftlichen Projekt zur Musik in Österreich zwischen 1200 und 1500. Wie gewohnt spielen und singen unsere Partner Leones auf hohem Niveau und lassen die Alltagswelt vom Bordell bis zur hohen Minne sehr lebendig werden. Bedauerlich allerdings, dass keine Texte abgedruckt wurden, man kann sie inzwischen allerdings hier herunterladen:


http://www.naxos.com/sungtext/pdf/8.573346_sungtext.pdf

Dufay Messen
 
Cantica Symphonia
Glossa GCD P31907


Endlich wieder einmal eine ganz hervorragende Aufnahme von Dufays Messen L'homme armé und Se la face ay pale. Sehr gut durchhörbar, textorientiert und mit emotionaler Beteiligung, sehr gutes rhythmisches Gefühl! Besonders interessant ist auch der Einsatz von Instrumenten, fantasievoll und variabel und srukturorientiert. Es kann hier ja keine endgültigen Antworten geben. Hier wird überzeugend eine heutige Lösung geboten.

Liederbuch des Johannes Heer
Ensemble Tetractys
Etcetera KTC 1910


Diese Cd ist besonders willkommen, da man inzwischen in der Bibiliothek St. Gallen das Facsimile des Liederbuchs ansehen kann:


http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/csg/0462


Vor allem die instrumentalen Stücke sind insofern für uns von Interesse, als hier Instrumente zum Einsatz kommen, die nach Modellen des 15. Jahrhunderts gebaut wurden und unsere These belegen, wie gut ein Streicherensemble für dieses Repertoire geeignet ist. Diese Stücke stammen in etwa vom Beginn des 16. Jahrhunderts. Der klangschöne Gesang von Zsuzsi Toth erscheint mir oft zu langsam und zu elegisch. 

Matthaeus Pipelare: Messen
The Sound and the Fury
Fra Bernardo 5124083


Obwohl Pipelare sich eines sehr guten Rufes erfreute und in 60 Quellen bis ins 16. Jahrhundert hinein überliefert wurde, weiß man so gut wie nichts über sein Leben. Seine musik ist sehr individuell und stilistisch nie festgelegt. Die Interpretation von The Sound and the Fury ist einerseits sehr "strukturell", indem bedeutende Momente und Imitationen etc. sehr gut und expressiv hörbar gemacht werden. Andererseits ist der doch manchmal fast grobe Gesang gewöhnungsbedürftig. 

Musique à la Chapelle Sixtine autour de 1490
Messen und Motetten von Josquin, de Orto, Vaqueras
Cut Circle, Jesse Rodin 


Musique en Wallonie 1265 

Diese Cd ist eine Sammlung von Hörbeispielen zu Rodins hervorragendem Buch "Josquin's Rome". Man wird gleichsam in die Sixtinische Kapelle versetzt und lernt neben frühen Werken von Josquin den weigehend unbekannt gebliebenen Komponisten Marbrianus de Orto kennen, der keinen Vergleich scheuen muss. Das Ensemble bringt sehr gut Imitationen und strukturelle Momente der Musik heraus. Lobenswert ist insgesamt der rhetorische Stil des Ensembles, bei dem Emotionen nicht zu kurz kommen. 

Requiemvertonungen von Ockeghem und de la Rue
Capella Pratensis
Challenge Classics CC72541


Einmal mehr eine Aufnahme die belegt, dass das Singen von den Originalen zu besonders lebhaften und interaktiven Aufnahmen führt. 


Klangbeispiele 

Firminus Caron: Messen und Chansons
The Sound and the Fury
Fra Bernardo 1207302


Diese 3-Cd Edition bringt nochmals die Messen L'homme armé und Accueilly ma la belle, neu hinzu kommen die Messen Sanguis Sanctorum und Jesus Autem sowie mehrer Chansons. Besonders zu begrüßen sind die auf einer Cd abgespeicherten Partituren, die Liedtexte hätte man sich allerdings auch gedruckt und nicht nur digitalisiert gewünscht. Leider ist die Qualität je nach Aufnahmedatum stark differierend, z. T. klar und durchsichtig, dann wieder voll aber mit wenig rhythmischem Drive, dann auch wieder fast inakzeptabel. Sehr durchwachsen, aber trotzdem eine wichtige Erweiterung des Repertoires auf Cd.


Soundfiles

Busnois Chansons
Asteria (Sylvia Rhyne und Eric Redlinger) 


Mit besonderer Freude weisen wir auf die über das Internet käufliche Cd mit Chansons von Antoine Busnois rund um die Geschichte Jaqueline d'Haquevilles hin. Endlich sind so einmal wieder eine größere Anzahl dieser Chansons präsent. Man merkt, dass diese Interpreten sehr frei und schon lange mit diesem Repertoire umgehen. Meist singen beide Superius und Tenor und Redlinger ergänzt den Contratenor mit der Laute. Besonders erfreulich an dieser Aufnahme ist das fast erstmals zu hörende richtige Tempo, die Emotion, die so selten in diesem Repertoire zu hören ist, der jazzige Drive, und die gute akkustische Präsenz. Noch prägnanter könnte die Textaussprache werden, die immer der Ausgangspunkt vor der Musik sein sollte. Insgesamt sehr empfehlenswert und in Hinblick auf unser eigenes Aufnahmeprojekt sehr interessant.


Homepage 

Agricola Instrumentalfantasien
Ensemble Leones
Christophorus 77368


Nach einer sehr schönen Cd mit Fantasien von Josquin bringt Leones nun eine neue Cd mit Fantasien von Agricola, einem der großen Neuerer der Musik um 1480-1500. Die Konkurrenz ist groß, aber diese Aufnahme ist in jeder Hinsicht mustergültig, man spürt eine sehr direkte Musikalität, ein guter Anteil Improvisation, das nötige jazzige Gefühl und eine reiche Farbpalette in der Instrumentierung - besonders schön die Viole d'Arco-Versionen, ein Vorgeschmack auf die Aufnahmen, die wir mit diesem Ensemble mit den Chansons von Antoine Busnois planen.


 

        by novamatrix